Kanadas Übernahme der G8-Präsidentschaft wird überschattet von der geplanten Ausschaltung des Parlaments für sechs Wochen

Morgen, am 1.1.2010, wird Kanada die G8-Präsidentschaft übernehmen. Just zwei Tage zuvor bat Premierminister Stephen Harper gestern die Generalgouverneurin Michaelle Jean, die Parlamentsferien nicht wie geplant am 25. Januar, sondern erst am 3. März enden zu lassen – nach dem Ende der olympischen Winterspiele. Nach Einschätzung der Opposition sollen damit regierungskritische Debatten im Parlament verhindert werden, wenn das weltweite Interesse auf Kanada ruht. Es wäre schon sehr bemerkenswert, wenn in den ersten beiden Monaten der G8-Präsidentschaft das Parlament des demokratischen Landes nicht tagen würde.

Kanada übernimmt die G8-Präsidentschaft von Italien. Anders als bei den Vereinten Nationen oder dem Europarat werden G8-Treffen nicht durch eine eigene internationale Institution vorbereitet; diese Aufgabe haben die Ministerien und Behörden des Gastlandes. Mit dem Bedeutungszuwachs der G20 wird zur Vorbereitung der G20-Gipfel ein weiteres Land der Nicht-G8-Staaten dem G8-Präsidenten an die Seite gestellt; in 2010 ist dies Südkorea.

Das erste GX-Treffen ist das G7-Treffen der Finanzminister vom 5. bis 6.2.2010 in Iqaluit, der Hauptstadt des kanadischen Territoriums Nunavut. Mit einer Ausdehnung von 2 Mio. qkm hat Nunavut die Fläche Westeuropas; bei 30.000 Einwohnern eine Einwohnerdichte von 0,01 Einwohner/qkm. Mit Durchschnittstemperaturen von minus 28 Grad Celsius ist es im Februar nicht wirklich wirtlich; auch die Dezentralität des Ortes läßt argwohnen, man wolle bewusst ohne Störungen in Ruhe tagen. Der G20 Gipfel findet vom 26. bis 27. Juni in Toronto statt. Einen Tag zuvor, vom 25. bis 26. Juni treffen sich die G8-Staatschefs in Huntsville, einer kleinen Stadt am Rande des schönen Algonquin National Park, rd. 200 km nördlich von Toronto. Der Juni ist dort die Hauptflugzeit der black fly, der sogenannten Kriebelmücke, deren Stiche stark jucken und zu Schwellungen führen. Noch ist unklar, wie sich Staatschefs, Journalisten und Beobachter vor der black fly schützen wollen…

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